Batteriespeicher macht Agrico Research flexibel und energieneutral

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Batteriespeicher macht Agrico Research flexibel und energieneutral

Der Neubau bei Agrico Research schreitet zügig voran. Bislang gab es nur eine Sache, der besondere Aufmerksamkeit erforderte: der fehlende Ausbau des Stromnetzes. Mit der Anschaffung eines aus drei Modulen bestehenden Batteriespeichersystems scheint dieses Problem gelöst und das neue Labor kann schon bald auf vollen Touren laufen. Langfristig gesehen bringt diese Investition auch einen nachhaltigen finanziellen Vorteil.

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Der Batteriespeicher wurde zwischen dem Neubau und dem Gewächshauskomplex errichtet.

Zu Beginn der Bauarbeiten am Neubauprojekt bei Agrico Research schien noch alles in Butter: Der Ausbau des Stromnetzes sollte weit vor dem geplanten Fertigstellungstermin des neuen Labors und der Büros abgeschlossen sein. Doch als der Netzbetreiber Liander voriges Jahr mitteilte, dass die beantragte Erhöhung der Anschlusskapazität auf 2027 und dann sogar auf 2030 verschoben werde, musste umgehend eine alternative Energiequelle gesucht werden. Das kostete einiges an Kopfzerbrechen.

Dieselgenerator

Da Batteriespeicher noch sehr teuer waren, wurde zunächst ein Dieselgenerator in Erwägung gezogen. „Wir waren schon so weit, einen zu kaufen, als wir feststellten, dass die Batteriepreise innerhalb kürzester Zeit stark gefallen waren“, berichtet Projektleiter Manfred Schleper. „Für unseren Energiebedarf kosteten sie plötzlich gleich viel wie ein Dieselgenerator.“ 

Dies erleichterte die Entscheidung, da ein Batteriespeicher viel sauberer und nachhaltiger als ein Dieselgenerator ist. Darüber hinaus sind die laufenden Kosten beträchtlich niedriger, was ebenfalls nicht unwichtig ist. „Ein Generator verbraucht gut 15 bis 20 Liter Diesel pro Stunde. Den Batteriespeicher können wir hingegen mit unserem eigenen Strom aufladen, den wir in den Abendstunden und nachts übrig haben.“

Als Partner holte sich Agrico Research Friday Energy und Trusteel aus Emmeloord. Als erster Schritt wurde der Energiebedarf des Züchtungsbetriebs ermittelt. Dazu wurde der Verbrauch der letzten zwei Jahre analysiert. Zusätzlich wurde der Energieverbrauch des neuen Labors geschätzt. Auf der Grundlage dieser Daten wurde ein Batteriespeicher mit einer Kapazität von 700 kWh empfohlen.

Damit soll es möglich sein, bei Agrico Research energieneutral zu arbeiten. „Tagsüber, zwischen 8 Uhr und 17 Uhr, haben wir einen Strommangel, diesen Strom beziehen wir aus dem Batteriespeicher. Abends und nachts verbrauchen wir fast nichts, dann werden die Batterien wieder aufgeladen. Auch der am Wochenende erzeugte Solarstrom, den wir dann nicht verbrauchen, wird im Batteriespeicher gespeichert.“

Amortisation

Manfred Schleper schätzt, dass sich der Batteriespeicher innerhalb von rund fünf Jahren amortisieren wird. Sollte der Ausbau des Stromnetzes bis 2030 umgesetzt sein – Schleper bleibt skeptisch, ob dieser Termin wirklich hält –, wird der Batteriespeicher Agrico Research noch mehr Geld sparen. „In günstigen Zeiten laden wir den Speicher auf und in teuren Zeiten entladen wir ihn und nutzen den Strom selbst, damit wir möglichst wenig Strom aus dem Netz beziehen müssen. Dann sind wir kostentechnisch auf dem richtigen Weg.“

Aber es sei noch mehr möglich, fügt er hinzu. „Wir können Strom auch verkaufen: Dank unseres dynamischen Energievertrags können wir überschüssigen Strom in teuren Zeiten ins Netz einspeisen, während wir in günstigeren Zeiten Strom zukaufen.“ So verwandelt sich eine Bedrohung plötzlich in eine Chance. „Wenn es die Engpässe im Stromnetz nicht gegeben hätte und der Ausbau im letzten Jahr durchgeführt worden wäre, hätten wir den Batteriespeicher nicht gekauft. Ja, es war eine Investition in Höhe von rund 250.000 Euro, aber die amortisiert sich in wenigen Jahren. Und danach wird das Ganze zu einer Einnahmequelle.“

Der Batteriespeicher ist mit einem Energiemanagementsystem ausgerüstet, auf dessen Grundlage der Ein- und Verkauf von Strom gesteuert wird. „Mit dem Managementsystem können wir alles so einstellen, dass wir den Ein- und Verkauf von Strom optimal steuern.“ 

 

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Beispiel für einen Batteriespeicher, wie er bei Agrico Research installiert wurde.

Dank unseres dynamischen Energievertrags können wir überschüssigen Strom in teuren Zeiten ins Netz einspeisen.
Manfred Schleper
Projektleiter
Manfred Schleper

Drei Module

Der Batteriespeicher ist modular aufgebaut: Es handelt sich um drei miteinander verbundene Module, die Agrico Research mit dem gesamten benötigten Strom versorgen sollen. „Sollte unerwartet doch mehr Strom benötigt werden, können wir ein weiteres Modul hinzufügen. Wir haben dafür bereits Vorbereitungen getroffen, damit wir im Notfall schnell reagieren können.“ Das neue Labor wird elektrisch geheizt. Zur Beheizung der Gewächshäuser wird hingegen weiter ein Heizkessel genutzt, da die Nutzung von Strom zur Beheizung derzeit noch nicht umsetzbar ist. „Würden wir die Gewächshäuser mit einer Wärmepumpe beheizen, wäre unser Strombedarf – und damit auch unsere Kosten – viel höher. Dies gibt der nun angeschaffte Batteriespeicher noch nicht her. Dazu ist der Ausbau der Anschlusskapazität erforderlich.“ 

Der Batteriespeicher wurde entsprechend den aktuellsten Sicherheitsanforderungen installiert und steht zwischen dem Neubau und den Gewächshäusern von Agrico Research. Er verfügt über ein internes Löschsystem und Sicherheitsfunktionen: Wenn die Temperatur zwischen den internen Batterien eines einzelnen Moduls eine Differenz von über 2 °C aufweist, schalten sich diese automatisch ab.

Schleper betrachtet diese Lösung als Win-win-Situation: „Sie bietet uns die Flexibilität, die wir brauchen, und erzeugt keine zusätzlichen Abgasemissionen.“

 

Die Generatoren wären in der Nähe der Büros von Agrico Research aufgestellt worden. Um zu verhindern, dass die Beschäftigten die Abgase einatmen, hätte neben den Dieselgeneratoren und dem Tank ein 12 Meter hoher Schornstein errichtetet werden müssen.

Ackerbaubetriebe

Schleper möchte die Entscheidung von Agrico Research auch Ackerbaubetrieben ans Herz legen. „Viele Landwirte haben Solarmodule auf ihren Dächern oder kaufen ihren Strom über dynamische Verträge auf dem Markt ein. Der Nachteil ist, dass der Großteil des Solarstroms zu Zeiten erzeugt wird, in denen die Landwirte ihn selbst nicht benötigen. Daher könnte es für sie interessant sein, den erzeugten Strom zu speichern und später zu verbrauchen oder zu Zeiten mit hohen Preisen zu verkaufen, sofern sie über einen Einspeisevertrag verfügen. Zudem könnten die Landwirte ihren Batteriespeicher in den Wintermonaten zu günstigen Tarifen aufladen und hätten dann später Strom zu möglichst niedrigen Selbstkosten für Kühlung oder andere Aktivitäten zur Verfügung. Daher könnte es für Landwirte interessant sein, zu prüfen, ob ein Batteriespeicher auch für sie wirtschaftlich sinnvoll ist.“